Apr 20, 2014
herrfritzer

Leere Koffer für die leeren Freuden der Marktwirtschaft

geschlechterrollen-wie-gewuenscht

Während der geschäftige schneidige Business-Mann am Telefon mit Währungen und Lebensmitteln spekuliert, um ehrlich und moralisch einwandfrei das Geld für die gläserne moderne Wohnung an Land zu ziehen, kann die Gattin – im gebannten Anblick des marktwirtschaftlichen Erfolgs ihres Ernährers – schonmal die Zeit nutzen, um im neuen Lufthansa-Magazin nach neuen wundervollen leereren Koffern zu suchen, die sich mit den sauer zusammengekratzten Moneten mit noch leereren Konsumprodukten der (wie den Ehemann genauso heißgeliebten) Marktwirtschaft befüllen lassen.

Für solche progressiven, kaum von längt überholten sexistischen Rollenbildern durchzogenen Werbekampagnen, in denen die heutigen gesamtgesellschaftlichen Wünsche nach allumfassender Gleichberechtigung, einem neuen Verständnis von Konsum und gemeinschaftlichem Wirtschaftskonzepten unmissverständlich, in zeitgemäßem Gewand und frei von peinlichen Überinszenierungen vergangener Welten in den Vordergrund treten, lieben wir unsere Marktwirtschaft. Danke!

Jul 5, 2013
herrfritzer

Radikale Preissenkung bei amazon.de – Danke, Marktwirtschaft!

Radikal im Preis gesenkt: Die Großzügigkeit der Marktwirtschaft kennt keine Grenzen

Manchmal kennt die Großzügigkeit unserer geliebt-gefürchteten Marktwirtschaft keine Grenzen. So auch dieses Mal bei amazon.de: Hier herrscht der Krieg um den besten Preis auf dem Markt. Klar, dass man da auch stolz herausstellen will, wenn Preise knallhart und ohne Rücksicht auf Konsequenzen gesenkt werden.

In diesem Falle hat der Internethandelgigant den etwas überhöhten Preis für eine DVD von 21,99 Euro auf wirklich erschwingliche und fast wie geschenkt wirkende 21,98 Euro reduziert. Da muss ich mich schon zusammenreißen, nicht unmittelbar den Artikel einzuheimsen. Dabei zuckt es einem schon im Finger. Für diese unmenschliche Großzügigkeit bleibt mir nur zu sagen: Danke, Marktwirtschaft!

Jul 2, 2013
herrfritzer

„Der Unbezahlteste Punkt Debatten“: „ebay Mannschaft“ warnt vor „Unbezahlter Punktmahnung“

Unbezahlteste Debatten

Es gehört schon ein scharfer Adlerblick dazu, diese scheinbar völlig seriöse und authentische E-Mail als Fälschung zu entlarven. Schließlich passiert es doch des Öftern, dass uns große Internetplattformen, die sich mit jedem Mitglied satt verdienen, einen „Unbezahlten Punktstreik“ aufhalsen wollen. Wer weiß, was beim „Unbezahltesten Punkt Debatten“ passieren wird? Was auch immer sich dahinter verbirgt: Ich habe Angst.

Die Furcht vor den allumfassenden Konsequenzen war damals, 2007, so groß, dass ich mich nicht einmal getraut habe, „das Problem aufzulösen“. Wahrscheinlich hätte ich dort gegen Eingabe persönlicher Passwörter, Kreditkarteninformationen und bei Bestellung von kostspieligen Medikamentenfälschungen eine eventuelle Suspendierung vorsorglich verhindern können. Doch ich hatte Glück: Die vermeintliche „ebay Mannschaft“ hat mich nochmal verschont.

Jan 21, 2012
herrfritzer

Die Marktwirtschaft kriegt Panik: Vielen Dank für Ihre zukünftige Treue!

Ganz schön treu!

Morgens halb zehn in Potsdam: Familie Fritzer holt ihre Post. Die gewohnten Briefe mit intergalaktischen Sonderangeboten und nie dagewesenen Angeboten für besonders treue Stammkunden werden unmittelbar der Altpapiertonne zugeführt. Doch dieses Mal ist etwas anders: Post mit Treueangeboten von einem Unternehmen, von dem wir noch nie was gehört haben, geschweige denn wo wir jemals etwas bestellt hätten!

„Warum bekomme ich von Ihnen Post als ‚besonders treuer Kunde’?“„Na, vielleicht werden Sie ja noch einer!“ Die Adresse hat sich das Unternehmen übrigens aus den Niederlanden beschafft, so die warmherzige Kundenbetreuerin am Telefon mit ungeahnter Ehrlichkeit.

Anscheinend unternimmt die in Panik geratene, den Ideolog_innen zufolge immer nur auf das Wohl der Kund_innen bedachte und sich selbst heilende Marktwirtschft inzwischen selbst das Absurdeste, um ihre meist minderwertigen Massenerzeugnisse unters gutgläubige Volk zu bringen. Sie lügt, wie nichtmal gedruckt würde!

Mai 20, 2009
herrfritzer

„Sehr geehrter Herr Fritzer!“ – Wie alles begann

Herr Fritzer bekommt Post!

Es war einmal eine Packung Tiefkühlgarnelen, die leider einen schlechten Tag hatte: Ihre edle Verpackung versprach zwar, die Schockgefrosteten seien in der Mitte aufgeschnitten, damit sie gleichmäßig in der Pfanne durchgebraten werden könnten. Doch diese Packung war anders als die anderen: Nach dem Braten waren die Tierchen außen schwarz — und innen noch tiefgefroren

So gleicht sich im Leben alles aus, würde manche_r denken (Lisa Simpson zum Beispiel). Doch warum 3,99 Euro (oder waren es sogar 7,99 Euro?) für etwas bezahlen, was so gut wie wertlos ist? Die Marktwirtschaft hatte wieder einmal versagt. Doch statt des erhofften Verrechnungsschecks erhielten wir nur diesen wundersam adressierten Brief. Wer Herr Fritzer ist, bleibt ein Rätsel. Wahrscheinlich war es ein anderer frustrierter Garnelenfan, dessen Beschwerde vor unserer bearbeitet wurde.

Wir sehen: Hier waren allseits Profis unserer Ökonomie am Werk! Und damit wird Herr Fritzer zur Inkarnation dessen, was unsere Wirtschaft bedeutet: Mangel, Beschwichtigung, Kulanz. Müssen wir uns das gefallen lassen?